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Denken/zukunft-Reihe/04

Ein Stück nach dem anderen.

Wandel in einer Kanzlei kommt nicht als Umbruch, bei dem plötzlich alles anders ist. Er kommt als Kette einzelner Schritte, von denen ihr jeden selbst wählt. Der Anruf war der erste.

Erschienen6. August 2026
AutorMarcus Greinke
Lesezeit8 Minuten
Reihezukunft · 4 / 4

Es gibt eine Vorstellung von KI in der Kanzlei, die viele Anwält:innen zu Recht abschreckt: dass man eines Tages alles auf einmal umstellen müsse, das alte System abschalte, das neue anwerfe und hoffe, dass am Montag noch etwas funktioniert. Diese Vorstellung ist der Grund, warum so viele gar nicht erst anfangen. Sie ist auch falsch.

So ist der Anruf Assistent nicht gebaut, und so ist überhaupt nichts an einer vernünftigen Veränderung gebaut. Wandel in einer Kanzlei kommt nicht als Sprung. Er kommt als Kette — ein einzelnes Stück, das ihr auswählt, weil es ein Problem löst, das ihr wirklich habt; und wenn es sich bewährt, das nächste. Jedes Stück steht für sich. Jedes ist für sich schon nützlich. Keines verlangt, dass ihr euch dem Ganzen verschreibt, bevor ihr das Einzelne getestet habt.

Genau das haben die Anwält:innen gespürt, die den Anruf Assistenten früh benutzt haben. Einige sagten: Gebt uns nur das, sofort, wir brauchen erst mal nichts anderes. Das war die richtige Reaktion. Nicht »ich stelle meine Kanzlei um«, sondern »ich nehme dieses eine Stück, weil es meinen Sonntag zurückgibt«. So beginnt Veränderung, die hält — nicht mit einer Entscheidung über alles, sondern mit einer Entscheidung über eine Sache.

Der Anruf war Schritt eins. Es gibt einen Schritt zwei.

Wenn ein Werkzeug ein Mandantengespräch zuhören, verstehen und in erledigte Nacharbeit verwandeln kann, dann liegt die nächste Frage nahe: Warum nur bei Gesprächen, die ihr führt? Warum nicht auch bei denen, die hereinkommen?

Der zweite Schritt ist eine Telefonannahme, die rund um die Uhr erreichbar ist. Nicht die überlastete Kraft am Empfang, die gerade Kopien macht oder zur Post läuft, wenn es klingelt — sondern ein System, das den Anruf annimmt, versteht, worum es geht, das Wesentliche festhält und an die richtige Stelle weiterleitet. Jemand ruft am Samstag an: Mir wurde gekündigt. Ich wurde verklagt und brauche jemanden. Es geht um meine Nebenkostenabrechnung. Statt einer Mailbox, die niemand abhört, oder eines verpassten Mandats, entsteht sofort ein festgehaltener Vorgang mit dem, was zu tun ist.

Man sieht sofort, dass das dieselbe Technik ist wie beim Anruf Assistenten, nur an einer anderen Stelle des Tages eingesetzt — dort, wo bisher Erreichbarkeit an Personal und Bürozeiten hing. Und man sieht auch, dass es wieder ein einzelnes Stück ist. Man muss es nicht nehmen, nur weil man den Anruf Assistenten hat. Man kann. Wenn die verpassten Anrufe am Wochenende ein echtes Problem sind, wird man wollen. Wenn nicht, lässt man es und nimmt ein anderes Stück, das besser passt.

»Man muss den zweiten Schritt nicht nehmen, nur weil man den ersten hat. Man kann. Das ist der ganze Unterschied.«

Warum das die eigentliche Antwort auf die Angst ist

In der »Prozess«-Reihe endete alles mit einer Entscheidung, die niemand euch abnimmt: Diesmal fragt euch niemand. Ihr müsst euch selbst fragen. Das klang groß, fast bedrohlich — als stünde eine einzige, folgenschwere Weichenstellung an, die man richtig oder falsch treffen kann.

Diese Reihe ist die Entschärfung jenes Satzes. Denn in Wahrheit müsst ihr euch nicht einmal groß entscheiden. Ihr müsst euch viele Male klein entscheiden — bei jedem einzelnen Stück, ob es euer Problem löst oder nicht. Das ist eine ganz andere, viel menschlichere Art von Frage. Nicht »stelle ich meine Existenz auf KI um«, sondern »nehme ich das Werkzeug, das mir die Anruf-Nachbereitung abnimmt«. Auf die erste Frage kann man vernünftig mit Angst reagieren. Auf die zweite nicht — die zweite beantwortet man, indem man es ausprobiert und sieht, ob der Sonntag freier wird.

Und weil jedes Stück freiwillig ist, bleibt die Kontrolle vollständig bei euch. Ihr wählt, welche Teile ihr nehmt, in welcher Reihenfolge, in welchem Tempo. Ihr nehmt die, die euch das Leben leichter machen, und lasst die, die sich nicht richtig anfühlen. Das ist kein Ausgeliefertsein an eine Technik. Es ist das Gegenteil — es ist die Rückgewinnung der Kontrolle über einen Arbeitstag, der euch längst über den Kopf gewachsen war.

Was Conny damit zu tun hat, und was nicht

Ein Teil der Branche verbringt viel Energie damit, auf die großen, industrialisierten Anbieter zu schauen und sich zu fragen, wie man gegen deren Skalierung bestehen soll. Das ist verständlich, aber es ist die falsche Blickrichtung. Die Frage ist nicht, wie ihr werdet wie ein Massenanbieter. Die Frage ist, welche einzelnen Teile eures Tages ihr leichter, schneller, besser machen könnt — an eurer Kanzlei, für eure Mandanten, in eurem Tempo.

Der Anruf Assistent ist keine Antwort auf irgendeinen Wettbewerber. Er ist eine Antwort auf ein Problem, das ihr am eigenen Leib kennt — den Sonntagabend über unleserlichen Notizen. Und das ist überhaupt der Maßstab, an dem sich jedes dieser Stücke messen lassen muss: nicht, ob es euch gegen die Großen aufstellt, sondern ob es euch am Dienstag um vier tatsächlich hilft. Wenn ja, nehmt es. Wenn nein, lasst es. So einfach darf die Entscheidung sein, und so einfach sollte sie sein.

Die Zukunft, greifbar

Am Ende der »Prozess«-Reihe stand die Behauptung, die Zukunft sei nicht angekommen, weil man sie bauen müsse und niemand auf sie warten könne. Diese Reihe hat gezeigt, was das konkret heißt — dass »bauen« nicht bedeutet, auf ein fernes, fertiges Ganzes zu warten, sondern einzelne, echte Teile in die Hand zu bekommen, von denen der erste schon heute zwei Stunden am Tag zurückgibt.

Deshalb der Titel dieser Reihe. Die Zukunft kommt schneller als gedacht — nicht, weil ein großer Wurf über Nacht alles verändert, sondern weil sie in Stücken kommt, und die ersten Stücke sind schon da. Man kann den Anruf Assistenten herunterladen. Man kann ihn heute Nachmittag im nächsten Mandantengespräch benutzen. Und in neunzig Sekunden hält man den Beweis in der Hand, dass das Werkzeug, von dem wir einmal sagten, es existiere nicht, in seinem ersten Stück existiert.

Der Rest kommt genauso. Ein Stück nach dem anderen. Jedes zu prüfen, jedes zu wählen, jedes für sich schon ein Gewinn. Ihr müsst euch nicht für die Zukunft entscheiden. Ihr müsst euch nur für das nächste Stück entscheiden — und das ist eine Frage, auf die man keine Angst braucht, sondern nur einen Nachmittag zum Ausprobieren.

Marcus Greinke ist Mitgründer von Mila, der KI-Plattform für Mietrechtskanzleien. Diese Reihe entsteht aus Gesprächen mit Mietrechtsanwält:innen, die sich fragen, was als Nächstes kommt.
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Wenn der Anruf zusammenfällt.

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№ 04 · Denken
Ein Stück nach dem anderen.
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