Am Ende dieser Reihe steht eine Enttäuschung, die man ernst nehmen sollte, bevor man sie auflöst. Uns wurde eine Zukunft versprochen, in der künstliche Intelligenz die stumpfe Arbeit übernimmt und uns die kluge lässt. In der Kanzleien schlanker, schneller, menschlicher werden, weil die Maschine das Repetitive schluckt. Diese Zukunft wurde vor Jahren angekündigt, und sie ist, wenn man ehrlich ist, nicht angekommen.
Der Anwalt, der in Word kopiert und Halluzinationen gegenprüft, lebt nicht in dieser Zukunft. Der Bay-Area-Mann, der einen Monat verlor und keinen Nachmittag gewann, lebt nicht in ihr. Die Anwältin, die fragte »und wie soll ich das benutzen«, hat sie zu Recht nicht kommen sehen. Die Enttäuschung ist berechtigt. Es wäre falsch, sie wegzureden.
Aber die Enttäuschung hat einen Grund, und der Grund ist nicht, dass die Technik zu schwach wäre. Der Grund ist, dass fast alle auf das Falsche gewartet haben. Sie haben auf ein besseres Modell gewartet — auf die nächste Version, die klug genug wäre, dass das Warten sich lohnt. Und während sie warteten, blieb das eigentlich Nötige liegen: nicht das Modell, sondern alles darum herum.
Warum das Warten nicht endet
Es gibt immer eine nächste Version. Sie ist immer ein paar Monate entfernt, sie ist immer klüger als die letzte, und sie löst das Problem nie, auf das man wartet. Weil das Problem nie im Modell lag.
Das ist die Pointe der SAP-Geschichte, mit der diese Reihe begann. Kein Unternehmen der Neunziger bekam seine Struktur geschenkt, weil die Software eines Tages klug genug war, sie von selbst mitzubringen. Die Struktur musste gebaut, eingeführt, gegen Widerstand durchgesetzt werden. Es war Arbeit — teure, zähe, undankbare Arbeit. Und erst nach dieser Arbeit kam der Gewinn, den man sich vom Warten vergeblich erhofft hatte.
Bei der künstlichen Intelligenz ist es genauso. Die drei Stunden, die euch niemand zurückgibt, gibt euch auch das nächste Modell nicht zurück. Sie entstehen erst, wenn jemand die Infrastruktur baut, in der das Modell tatsächlich Arbeit übernimmt — die Anbindung an die Akte, die Verkettung der Schritte, die eingebaute Prüfung, die Freigabe durch den Menschen. Das kommt nicht als Lieferung. Das wird gebaut. Und bis es gebaut ist, wartet man auf etwas, das aus dem Warten nie entsteht.
»Es gibt immer eine nächste Version. Sie löst das Problem nie, auf das man wartet — weil das Problem nie im Modell lag.«
Die Entscheidung, die schon einmal getroffen wurde
Damit sind wir zurück bei der Frage, mit der die Reihe eröffnete, und sie klingt jetzt weniger nach Provokation und mehr nach dem, was sie ist: eine Entscheidung.
SAP hat die Unternehmen der Neunziger nicht gefragt, ob sie wollen. Es hat ihnen den Handel hingelegt. Übernehmt die Struktur, werdet schneller, konsistenter, nachvollziehbarer — oder behaltet eure fünftausend Wege und bleibt, wo ihr seid. Die, die zusagten, hatten Jahre harter Einführung vor sich und den Gewinn danach. Die, die zögerten, behielten ihre Eleganz und verloren die Sicht. Rückblickend war es keine knappe Entscheidung.
Für die Rechtsberatung steht dieselbe Entscheidung an, nur ohne den Konzern, der sie euch aufzwingt. Niemand kommt in eure Kanzlei und sagt: So wird jetzt gearbeitet. Ihr müsst es selbst entscheiden. Und die Entscheidung ist dieselbe wie damals: Wollt ihr die Struktur, die eure Arbeit übergebbar, prüfbar und schneller macht — auch wenn sie nicht von euch erfunden wurde und sich zuerst wie ein Verlust an Eleganz anfühlt? Oder wollt ihr eure fünftausend Wege behalten, jeden für sich verteidigt mit guten Gründen, und zusehen, wie der Boden sich verschiebt?
Was bleibt
Diese Reihe hat kein Werkzeug verkauft, das es nicht gibt. Sie hat das Gegenteil versucht: ehrlich zu benennen, was heute nicht geht. Dass ein Chatbot bei achtzig Prozent stehen bleibt. Dass die letzten zwanzig niemand geschenkt bekommt. Dass jedes dieser Systeme halluziniert, unseres eingeschlossen. Dass die Zukunft, die euch versprochen wurde, nicht von selbst kommt.
Aus dieser Ehrlichkeit folgt keine Resignation, sondern eine nüchterne Aussicht. Was den Nachmittag zurückgibt, ist kein Wunder und keine nächste Version. Es ist Infrastruktur — die Struktur um das Modell herum, die aus dem eloquenten Praktikanten einen Apparat macht, der die achtzig Prozent trägt, während ihr die zwanzig verantwortet, die euren Beruf ausmachen. Sekretärin, Referendar, Berufsanfänger in einem, geprüft und unter eurer Freigabe. Nicht der Ersatz des Anwalts. Sein Unterbau.
Die Zukunft ist nicht angekommen, weil niemand auf ihre Ankunft warten kann. Man kann sie nur bauen. Wir bauen sie — geerdet, prüfbar, mit der Anwältin an jedem Punkt, an dem es auf ein Urteil ankommt. Ob ihr sie mitbaut, ist die Entscheidung, die eine Branche in den Neunzigern schon einmal getroffen hat.
Diesmal fragt euch niemand. Ihr müsst euch selbst fragen.
Geschrieben von Marcus Greinke, Mitgründer von Mila. Diese Reihe erscheint donnerstags.